Rosmarin-Spritz mit Cannabis: ein mediterraner Citrus-Drink mit Spritzer

Rosmarin-Spritz mit Cannabis: ein mediterraner Citrus-Drink mit Spritzer

Leicht, klar und terpene-stimmig – der mediterrane Weg.

Rezept & Text: André Philip Schneider

Wer Cannabis kulinarisch verarbeitet, landet schnell bei schweren Edibles. Gerade im Winter passt das: körperlich, ruhig, eher indicalastig gedacht. Mit steigenden Temperaturen verschiebt sich jedoch nicht nur die Umgebung, sondern auch das gewünschte Wirkgefühl. Leichter, klarer, beweglicher – eher im Bereich moderner Hybride.

Ein Zitrusdrink greift genau das auf: Frische, Säure, Lebendigkeit. In Kombination mit einer Sorte wie Spritzer entsteht dabei kein Zufall, sondern eine aromatische Linie, die sich durchzieht – vom Glas bis in die Wirkung. So wird aus dem klassischen Rosmarin-Spritz ein präzise gedachter Cannabis-Drink mit mediterraner Klarheit.

Rosmarin-Spritz
Rosmarin-Spritz

Zutaten für den Cannabis-Rosmarin-Spritz

Für die Cannabis-Öl-Basis (Batch für mehrere Drinks):

    • Spritzer (gutmut saatgut) → ca. 5 g getrocknetes Blütenmaterial (decarboxyliert, für das Öl)
    • MCT-Öl (neutral) → 100 ml (Trägerfett)
    • Honig → ca. 1 TL pro Drink (für die Emulsion)

– alternativ: Rohrzuckersirup → für eine präzisere, trockener steuerbare Süße

  • Lecithin → 1 Prise (unterstützt die Bindung)

Pro Drink:

  • Zitrone → ½ Stück (frisch gepresst)
  • Limette → ½ Stück (frisch gepresst)
  • Sodawasser → ca. 150 ml (zum Auffüllen)
  • Eiswürfel → nach Bedarf (möglichst klar)
  • Rosmarinzweig → 1 kleiner Zweig (leicht angerieben)

Basis: Infusion und Emulsion

Für die Grundlage werden 5 g decarboxyliertes Blütenmaterial in 100 ml MCT-Öl im Wasserbad 1–2 Stunden extrahiert und anschließend gefiltert. Wer das noch nicht gemacht hat: In unserem Beitrag zur Decarboxylierung von Cannabis findest du die Schritte dafür.

Dieses Öl ist der Wirkstoffträger – aber für sich genommen noch nicht trinkbar. Der entscheidende Schritt folgt direkt danach:

Das Öl wird mit Honig (alternativ Rohrzuckersirup), einer Prise Lecithin und einem kleinen Schuss warmem Wasser 30–60 Sekunden kräftig gerührt.

> Tipp aus der Praxis: Honig löst sich in kalter Umgebung nur unzureichend. Daher empfiehlt es sich, ihn zunächst mit einem Esslöffel heißem Wasser vollständig glatt zu rühren und anschließend mit den Zitrussäften zu vermischen.

Dabei entsteht eine feine, leicht cremige Emulsion – das Öl verteilt sich in kleinste Tröpfchen, statt sich später im Drink abzusetzen. Das Ergebnis ist eine stabile, leicht trübe Basis, die sich sauber in Flüssigkeit einfügt und deutlich homogener wirkt.

Spritzer mit Rosmarin
Spritzer mit Rosmarin

Den Rosmarin-Spritz schichten

In ein Glas werden zunächst klare Eiswürfel gegeben. Darauf folgt die vorbereitete Zitrus-Honig-Basis, anschließend wird die Emulsion eingearbeitet.

Diese Reihenfolge ist bewusst gewählt: Die kalten Eiswürfel sorgen dafür, dass sich die Emulsion unmittelbar fein verteilt und stabilisiert, statt sich punktuell zusammenzuziehen. Gleichzeitig wird die Verdünnung kontrolliert eingeleitet, was zu einem ruhigeren, homogeneren Gesamtbild führt.

Mit etwa 150 ml Sodawasser aufgegossen und nur kurz angehoben ergibt sich ein klar strukturierter, leicht trüber Spritz – frisch, direkt und ohne Fettfilm.

Optional können 1–2 Tropfen einer leichten Salzlösung ergänzt werden – sie verbinden die Komponenten, runden die Säure ab und geben dem Drink mehr Tiefe, ohne ihn süßer zu machen. Fertig ist der Rosmarin-Spritz


Terpene-Spiel: Warum Rosmarin und Spritzer zusammenpassen

Hier beginnt das eigentliche Zusammenspiel:

Zitrusfrüchte bringen vor allem Limonen mit – ein Terpen, das für Frische, Helligkeit und oft auch eine leicht stimmungshebende Wirkung steht. Viele Hybridsorten wie Spritzer greifen genau das auf, ergänzt durch Myrcen, das weich und ausgleichend wirkt, und Pinene, das für eine klare, leicht waldige Note sorgt.

Rosmarin verstärkt diese Linie gezielt. Er liefert Pinene in konzentrierter Form, dazu Cineol – frisch, leicht kühl und trockener als Minze – sowie eine dezente, harzige Würze. Ein leicht angeriebener Zweig im Glas wirkt dabei nicht als zusätzliche Schicht, sondern als verbindendes Element: Die Zitrusfrische wird getragen, die pflanzlichen Noten greifen ineinander, und das Gesamtbild verschiebt sich von „Limonade“ hin zu einem trockeneren, mediterranen Eindruck.

Optional kann der Rosmarin kurz angeflämmt oder zusammen mit einer Zitronenzeste aktiviert werden – so treten die ätherischen Öle klarer hervor und geben dem Drink zusätzliche Tiefe.

Auch auf Wirkungsebene bleibt es stimmig: Limonen hebt an, Myrcen glättet, während Pinene und Rosmarin für Klarheit sorgen. So entsteht kein schweres, drückendes Gefühl, sondern ein ausgewogener, leichter Zustand.


Servieren

Ein großes Glas, klare Eiswürfel, eine dünne Zitronenscheibe und ein kleiner Zweig Rosmarin, der vorher leicht zwischen den Fingern angerieben wird, reichen völlig aus.

Optional kann eine Zitronenzeste über dem Glas ausgedrückt werden, um die ätherischen Öle noch einmal anzuheben.


Hinweis zur Dosierung

Die oben hergestellte Infusion dient als Vorrat (Batch) und wird nicht vollständig pro Drink verwendet. Pro Drink empfiehlt sich ein Einstieg mit etwa ¼ bis ½ Teelöffel des infundierten Öls. Je nach gewünschter Intensität kann diese Menge vorsichtig angepasst werden.

Gerade in Getränken wirkt Cannabis oft gleichmäßiger – aber nicht unbedingt schwächer. Eine zurückhaltende Dosierung ist daher sinnvoll. Im Zweifel niedriger ansetzen, abwarten und erst dann nachlegen, wenn die Wirkung wirklich beurteilbar ist.

Mehr Hintergrund zur Berechnung steht im Beitrag Cannabis Dosierung bei Edibles.


Spritzer NOCTURNE – die strukturierte Variante

Wird der Drink um einen kleinen Anteil Tonic Water (ca. 20–30 %, maximal bis etwa ein Drittel) ergänzt, verschiebt sich sein Charakter deutlich:

Aus dem leichten, sommerlichen Spritz wird ein strukturierter, trockenerer Highball. Das enthaltene Chinin bringt eine feine Bitterkeit ein, die die Zitrusfrische nicht ersetzt, sondern erdet.

In Kombination mit den terpentragenden Komponenten entsteht eine neue Balance: Limonen bleibt präsent, wirkt aber weniger verspielt, während die harzigen und klaren Noten von Rosmarin (Pinene, Cineol) stärker hervortreten.

Das Ergebnis ist kein zweiter Drink, sondern eine Weiterentwicklung – weniger „Sommermittag“, mehr „später Abend“.

Die Wahl des Tonics ist hierbei entscheidend: Trockene, weniger süße Varianten unterstützen die gewünschte Klarheit, während stark gesüßte Produkte die Struktur schnell verwässern können. Und vielleicht ist es an dieser Stelle auch weniger eine Frage von geschüttelt oder gerührt – sondern eher eine Frage der Haltung.


Hinweis: Ausschließlich für den persönlichen Eigenkonsum

Dieser Beitrag richtet sich an volljährige Personen, die nach § 9 KCanG bis zu drei Cannabispflanzen für den eigenen Bedarf anbauen. Die rechtliche Bewertung der Verarbeitung von Cannabis – etwa zu Cannabisbutter, infundierten Ölen oder Tinkturen – ist auch im Eigenanbau-Kontext nicht abschließend geklärt.

Eindeutig nicht erlaubt ist:

  • die Weitergabe von Cannabis oder daraus hergestellten Speisen an Dritte – auch unentgeltlich, auch im Familien- und Freundeskreis
  • die Bewirtung anderer Personen mit infundierten Speisen
  • jeder Konsum durch Personen unter 18 Jahren

Wer Inhalte aus diesem Beitrag praktisch umsetzt, tut dies in eigener Verantwortung. Rechtliche Grundlage: Konsumcannabisgesetz (KCanG).


Fazit

Ein einfacher Aufbau, wenig Technik – aber durch das gezielte Zusammenspiel von Zitrus, Sorte und Rosmarin entsteht etwas, das sich stimmig und rund anfühlt: kein Zufallsdrink, sondern ein klar durchdachter, leichter Spritz mit mediterraner Linie – der sich, je nach Interpretation, bis in einen erwachsenen, strukturierten Highball weiterentwickeln lässt. Rosmarin-Spritz mal anders.

Wie der Übergang vom hellen Sommertag in die ruhige, warme Abendluft.

Wer Andres Zugang zur Cannabisküche näher kennenlernen möchte, findet im Beitrag High Cuisine kochen mit Cannabis ein ausführliches Portrait. Und für ein Frühlings-Pendant aus dem Ofen passend dazu: die Rhabarber-Tarte mit Ziegenkäse und Cannabis.

Viel Spaß beim Mixen.

Euer André

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